Oberschüler aus Fukushima erzählen ihre eigenen Erfahrungen

(Folgen von Fukushima)

Die Oberschülerinnen und -schüler, die jetzt 15 oder 16 Jahre alt sind, waren damals nach der Erdbeben- und Nuklearkatastrophe im März 2011 7 oder 8 Jahre alt.

Wenn sie noch jünger wären, hätten sie jetzt wahrscheinlich keine genauen Erinnerungen mehr, was sie als Kind miterlebt haben. Die Oberschülerinnen und -schüler in diesem Alter sind fast die jüngste Generation, die als Zeitzeuge ihre Erinnerungen noch klar im Kopf hat.

Wie schon auf dieser Website berichtet, waren im August 2019 9 Oberschülerinnen und -schüler aus Fukushima in Berlin. Sie haben über ihre eigenen Erfahrungen nach dem Erdbeben im Nordosten Japans berichtet.

Sie widerspiegeln auch die gesellschaftlichen Umstände nach der FUKUHSIMA-Katastrophe.

Hier werden ihre Erfahrungen dokumentiert

(fm)

Siehe auch das Video, das beim Schüleraustausch am 08.08.2019 aufgezeichnet wurde (englisch).

ISHII Seima

Ich heiße Seima. Ich will euch erklären, dass ich ein neues Stromerzeugungsverfahren entwickeln will. Das soll sauber und sicher sein.

Warum will ich das tun? Der Grund liegt darin, was ich am 11. März 2011 erleben musste.

Als ich im Klassenzimmer war, habe ich ein sehr starkes Erdbeben miterlebt. Damals war ich 7 Jahre alt und konnte noch nicht begreifen, was dann passiert ist. Ich konnte mich gerade noch mit der Hand an einem Tischbein halten. Als ich vom Schulhof aus das Schulgebäude gesehen habe, waren die Stahlstützen aus dem beschädigten Dach zu sehen. Das war schrecklich.

Auf dem Weg nach Hause habe ich gesehen, dass alles zerstört wurde. Die Häuser wurden zerstört, das Dach des Rathauses ist zerfallen. Das Krankenhaus, in dem meine Mutter arbeitete, wurde auch total zerstört. Alles war katastrophal.

Einige Tage später kam dann die Nuklearkatastrophe. Ich musste zu Hause bleiben.

Ein Jahr später wurden von der kontaminierten Bodenerde einige Zentimeter der Oberfläche abgetragen und durch nicht kontaminierte Erde ersetzt.

Jetzt ist der Strahlenwert niedriger, aber die kontaminierte Bodenerde liegt immer noch in unserem Garten vergraben. Deshalb sagen meine Eltern, ich dürfe nicht zu nah an die Stelle sein, an der sie vergraben wurde.

Im Freien musste ich immer eine Mundmaske und ein Strahlenmessgerät tragen. Das war lästig.

Am Wochenende habe ich oft mit den Freunden von mir im Freien gespielt. Wenn ich es meiner Mutter gesagt habe, hat sie mich immer geschimpft. Ich soll auf die Gefahr durch die Strahlung achten. Aber ich konnte nicht begreifen, warum. Man kann die Strahlung nicht sehen, und ich kannte deren Auswirkungen auch nicht.

Ein Verwandter von uns ist Bauer, der uns immer Reis schickt. Aber es wurde festgestellt, dass sein Reisfeld radioaktiv belastet ist. Dann hat meine Mutter mir gesagt, „Den Reis können wir nicht mehr essen“ Der Reis musste entsorgt werden. Das konnte ich gar nicht verstehen. Ich war schockiert.

Als ich noch Grundschüler war, musste bei mir einige Male eine Ganzkörpermessung durchgeführt werden. Es gibt Kinder, bei denen Schilddrüsenkrebs festgestellt wurde. Den Nachrichten zufolge soll das mit der Nuklearkatastrophe nichts zu tun haben.

Um gesundheitliche Auswirkungen bei den Kindern, die damals bis zu 18 Jahre alt waren, zu untersuchen, werden die Kosten von der Präfektur Fukushima und dem Staat getragen. Aber niemand weiss, ob das nicht auf die Nuklearkatastrophe zurückzuführen ist.

Es ist sehr gefährlich, den Strom mit Hilfe der Nuklearenergie zu erzeugen. Man soll alles abschalten, was unser Leben gefährdet.

Ich bin deshalb an sauberen Energien interessiert und hoffe, dass ich mich in Zukunft beruflich damit beschäftigen kann.

HIRUTA Rio

Ich bin Rio und 16 Jahre alt.

Ich überlege jetzt, ob ich Pilotin werde oder für die Entwicklungshilfe arbeite. Mein Gedanke wurde durch das Erdbeben vor 8 Jahren beeinflusst.

Ich war damals Grundschülerin der 1. Klasse. Als ich in der Schule war, ist ein Schuhschrank neben mir umgefallen. Ich dachte, dass ich sterbe. Ich war danach sehr unsicher und bin mit meiner Mutter nach Hause zurückgegangen.

Zu Hause hatten wir weder Strom noch Wasser. In der Nacht war es auch sehr kalt.

Ich dachte, dass ich es am schlimmsten habe. Aber ich habe erfahren, dass es viele Menschen gibt, die durch Erdbeben und Tsunami Familienangehörige und Freunde verloren haben. Ich habe mich geschämt, dass ich gedacht habe, dass man ohne Strom und Wasser nicht leben kann.

Ich habe auch selbst begriffen, dass ein bequemes Leben nicht selbstverständlich, sondern ein Glück ist.

Es war sehr belastend, dass ich mich nicht mit meinen evakuierten Freundinnen treffen konnte und wegen der Strahlung nicht zur Schule gehen konnte.

Aber am meisten hat mich sehr geärgert, dass es in den Nachrichten und im Internet über das Erdbeben nicht korrekt berichtet wurde, oder dass die Experten, die nie in den betroffenen Regionen waren, sich über FUKUSHIMA geäußert haben.

Es wurde berichtet, dass man nicht nach Fukushima fahren soll, weil es dort hoch verstrahlt ist, oder dass man Gemüse und Obst aus Fukushima nicht essen soll. Es wurde nur über einen Teil der betroffenen Regionen berichtet. Ich dachte, dass es auch nicht verstrahlte Bereiche gibt und es dort sicherer ist. Die Lebensmittel wurden auch kontrolliert.

Den Freundinnen von mir, die evakuiert sind, wurde oft gesagt; „Geht nach Fukushima zurück“. Sonst werde man durch die Radioaktivität angesteckt So wurden sie geächtet.

Es gab aber nicht nur Schlimmes, sondern auch etwas Erfreuliches. Aus der ganzen Welt haben wir finanzielle Unterstützungen und ermutigende Worte bekommen.

Ich dachte, dass man in der Welt weiss, wie schlimm wir leben, auch wenn man andere Sprache, Kultur und Gewohnheiten hat.

Deshalb will ich auch anderen Menschen helfen, die unter schlimmeren Umständen leben. Erdbeben oder Havarien können wir nicht völlig ausschließen, aber internationale Probleme und Armut können wir bekämpfen.

Ich wäre deshalb froh, wenn ich etwas dazu beitragen könnte, zukünftige Kinder glücklich machen zu können.

Deshalb überlege ich, ob ich in Zukunft Pilotin werde oder für die Entwicklungshilfe arbeite.

ENDO Hayato

Ich heiße ENDO Hayato und bin 16 Jahre alt.

Ich mag Hunde sehr. Mögt ihr auch Hunde?

Ich spreche zuerst über das Recht von Hunden.

Als das Erdbeben im Nordosten Japans ausbrach, war ich 7 Jahre alt. Als ich im Schulhof mit Freunden von mir gespielt habe, habe ich bemerkt, dass die Erde sehr wackelt. Wir waren sehr beängstigt. Erst nachdem ich nach Hause zurückgegangen war, habe ich mich beruhigt gefühlt. Dabei konnte ich nur an mich denken.

Während viele Menschen nach der Nuklearkatastrophe evakuieren mussten, konnten die meisten Tiere nicht evakuieren, da in den Notunterkünften kein Tier aufgenommen wurde.

Man hat Menschenleben dem Tierleben bevorzugt. Meiner Meinung nach hätte man auch das Tierleben für wichtig halten sollen. Tiere haben auch das Recht zum Leben wie wir Menschen.

Die hinterlassenen Tiere müssen sich bestimmt allein gelassen und sehr einsam gefühlt haben. Die Tierbesitzer haben auch sicherlich daran gedacht, dass sie lieber mit ihren Tieren zusammen geblieben wären. Ihr Wunsch wurde aber nicht erfüllt.

Die Tiere haben umsonst auf die Besitzer gewartet und haben das Haus verlassen oder sind vor Hunger gestorben.

Auch wenn sie das Haus verlassen konnten, hätten sie überleben müssen. Aber sie hatten das Know-how nicht.

Nach der Katastrophe sind 8 Jahre vergangen, und viele Tiere konnten neue Besitzer oder neue Bleiben finden, während manche Tiere noch keine neuen Besitzen haben. Die Mitarbeiter der Tierheime tun sich sehr schwer, neue Tierbesitzer zu finden. Man ist sehr zögerlich, da man jetzt davon ausgeht, dass es schwer ist, sich mit ihnen vertraut zu machen.

Aber meiner Meinung nach können mit Hilfe von Berufs- Hundetrainern Tiere wieder zum besseren Familienmitglied gemacht werden.

Von den betroffenen Hunden ist ein Hund Rettungshund geworden. Er heißt „Jagaimo“, auf Deutsch Kartoffel. Der Jagaimo wurde aus dem Haus einer Frau gerettet. Der Hundetrainer wollte ihn eigentlich nicht trainieren, aber Jagaimo hat immer den Hundetrainer zum Training begleitet.

Er hat ein gutes Geruchsvermögen. Obwohl der Hundetrainer wiederholt versucht hat, sein Geruchsvermögen zu verbessern, ist er 10 Male im Examen durchgefallen. Er und der Hundetrainer haben trotzdem weiter trainiert, und letztendlich hat Jagaimo bestanden. Er konnte sich so zum wunderschönen Hund entwickeln.

Es ist mein Traum, Hundetrainer zu werden. In Japan werden viele Hunde aus menschlichem Egoismus ausgesetzt. Ich will solche Hunde als Hundetrainer retten.

Während meines Aufenthaltes in Deutschland will ich vieles über den Tierschutz lernen.

KANNO Maho

Ich bin Maho. Ich bin Oberschülerin der 1. Klasse, in Deutschland Schülerin der 10. Klasse, und 16 Jahre alt. Ich mag Süßigkeiten sehr, wie Schokoladen. Am meisten mag ich Kuchen und kann sehr professionell Kuchen backen.

Erinnert ihr euch noch an das Erdbeben im Nordosten Japans? Ich hatte nie zuvor so ein starkes Beben erlebt. Ich war damals 7 Jahre alt. In der Schule sind Schränke hintereinander umgefallen, und die Schulmappen sind donnernd heruntergefallen.

Die Fensterscheiben sind hintereinander sehr laut zerbrochen. Wir haben uns sofort unter die Tische gerettet. Eine Schulfreundin von mir hat aus Furcht geheult, während ich nicht geheult habe. Ich war davon überzeugt, nicht heulen zu sollen. Falls ich geheult hätte, hätte ich mich für sehr schwach gehalten. Aber es war alles so entsetzlich, und ich hätte fast geheult. Weil man im Schulgebäude keine Sicherheit gewährleisten konnte, mussten wir in den naheliegenden Park evakuieren und haben auf unsere Eltern gewartet. Da der Telefonanschluss gestört war, konnte ich mich nicht mit meiner Familie in Verbindung setzen. Ich habe es sehr schrecklich gefunden, da ich nicht feststellen konnte, ob meine Mutter noch am Leben ist, und wo sie ist.

Vom nächsten Tag an hatten wir 10 Tage lang gar kein Leitungswasser mehr. Auch sämtliche Lieferungen fielen aus. Wir konnten weder Lebensmittel, Benzin noch sonstige Dinge zum Leben kaufen.

Wenn ich ins Freie gegangen bin, musste ich immer Langarmkleider und Langhosen tragen, um die Haut abzudecken, da man im Freien der giftigen Strahlung ausgesetzt war. Auch im Sommer musste ich sie immer tragen. Im Freien konnte ich nur bis zu 2 Stunden am Tag sein. Da ich gerne im Freien spiele, war ich schockiert.

Es war auch traurig, dass die Bodenerde radioaktiv belastet war. Uns den Kindern wurde gesagt, dass wir weder in den Schulhof, in den Park noch in unseren Garten gehen dürfen, ohne dass diese vorher dekontaminiert worden waren.

Den Seitengraben durften wir auch nicht nahekommen, da es dort höher verstrahlt war. 2011 hatten wir aus Sicherheitsgründen gar kein Schulsportfest, und ab dem nächsten Jahr fand es wieder statt, aber für wesentlich verkürzte Zeit.

Der Stadtteil Nankodai, in dem ich wohne, ist vom Unfall-AKW 60 km entfernt, aber dort war es in der Stadt Fukushima am meisten radioaktiv belastet. Deswegen ist die Hälfte meiner Klassenkameraden (freiwillig) umgezogen. Unsere Familie konnte aber nicht ausziehen, ich hatte immer Angst vor bösartigen Auswirkungen, weil ich noch dort wohne. Mir wurde von der Schule und der Familie wiederholt gesagt, dass die Strahlung für meine Gesundheit schädlich ist. Ich hatte deshalb immer Angst zu sterben.

Eine Freundin von mir, die aus Nankodai in eine andere Stadt umgezogen ist, hat mich mal berichtet, dass sie dort als Bakterie behandelt wurde. Man ist davon überzeugt, dass man verstrahlt wird, wenn man den Menschen aus Fukushima nahekommt. Sie hatte wirklich eine harte Zeit.

Bedauerlicherweise konnten wir immer weniger Gemüse, Obst und Reis aus Fukushima essen, da sie radioaktiv belastet waren. Sie konnten auch nicht mehr für das Schulessen verwendet werden.

Je mehr dekontaminiert wurde, desto weniger wird es beschränkt, im Freien aktiv zu sein. Die Lebensmittel aus Fukushima wurden auch immer wieder gemessen, und es wurde jetzt festgestellt, dass die Lebensmittel sicherer sind. Die Lebensmittel aus Fukushima konnten auch wieder für das Schulessen eingesetzt werden, als ich 10 oder 11 Jahre alt war. Wir können jetzt in der Stadt Fukushima leben, wie vor der Katastrophe.

Alles, was ich jetzt erzählt habe, ist nur ein Teil meiner bisherigen Erfahrungen.

Ich habe an dem Schülerprojekt teilgenommen, da ich euch so aus meinen Erfahrungen die Wahrheit übermitteln will. Wie ich schon dargelegt habe, ist es in Fukushima schon sicherer geworden. Und jetzt soll man über den Einsatz von Erneuerbaren Energien nachdenken.

Ich weiss noch nicht, was ich später machen will, aber ich hoffe, dass ich während der Studienreise nach Deutschland herausfinden kann, was ich dann in Zukunft machen will.

KUGE Sumire

Ich bin 16-jährige Schülerin, KUGE Sumire. Ich mag Volleyball spielen und Musicals anschauen. Als ich das Erdbeben miterleben musste, war ich 8 Jahre alt. Da ich noch zu den unteren Jahrgängen gehörte, habe ich zu Hause Hausaufgaben gemacht.

Gleich nach dem Notfallalarm für das Erdbeben kam ein heftiges Beben. In Japan erlebt man ab und zu Erdbeben, aber ich erinnere mich noch daran, dass ich es damals sehr furchtbar gefunden habe, da ich zum ersten Mal einen Alarm erlebt hatte.

Meine Mutter kam sofort zu mir ins 1. Obergeschoß, und wir sind trotz des heftigen Bebens über die Treppe runtergegangen. Wir, die Familie , haben verzweifelt versucht, unser Leben zu retten. Auch nach dem Beben waren wir nicht sicher. Überall zu Hause sind die Schränke und die anderen Möbel umgefallen, und die Glassplitter und Bruchstücke waren zerstreut. Ohne Schuhe wäre es sehr gefährlich gewesen, wieder ins Haus reinzugehen. Wir haben Schuhen tragend die noch verwendbaren Sachen aus dem Haus herausgetragen. Das Fehlen meines Vaters hat wahrscheinlich dazu geführt, dass die damaligen Erinnerungen noch entsetzlich sind.

Mein Vater ist Feuerwehrmann und konnte uns an dem Tag nur ein Mal anrufen, um festzustellen, dass wir uns wohl befinden.

Als Kind war ich nicht sicher, ob die Familie auseinander geht, und ob mein Vater noch nach Hause zurückkommt.

Ohne den Vater sind wir in eine Sporthalle in der Nähe evakuiert und haben mit den anderen Evakuierten 2 bis 3 Tage dort verbracht. An den kalten Märztagen, wo es noch geschneit hat, haben wir auf dem harten Fußboden dicht nebeneinander geschlafen. Diese 3 Tage kann ich nie wieder vergessen.

Da die Läden geschlossen waren, waren wir für die Alltagsbedürfnisse auf gespendete Artikel angewiesen. Eine Weile mussten wir auch die Einnahme des Trinkwassers einschränken. Wir waren körperlich und psychologisch sehr erschöpft. Ein Video, das ich in der Sporthalle angeschaut habe, hat mich sehr bewegt. Dort habe ich gesehen, dass viele Ausländer mit Japanern zusammen sehr fleißig für die Betroffenen arbeiten.

In dem Moment habe ich gedacht, dass ich beruflich mit dem Ausland zu tun haben will.

Nach dem Erdbeben hatten wir anschließend noch weitere Havarien durch den Tsunami, Brände in großem Umfang und die Nuklearkatastrophe, die viele Opfer verursacht haben. Die Region, in der ich wohne, war am meisten von der Nuklearkatastrophe betroffen. Obwohl die Region relativ weit vom Unfall-AKW entfernt ist, wurde am Anfang eine hohe Strahlendosis gemessen, und wir durften nicht im Freien spielen und die Bodenerde nicht berühren. Wir mussten auch sämtliche Gartenpflanzen entsorgen. Die Bodenerde im Schulhof wurde durch nicht kontaminierte Erde ersetzt, und wir mussten ein Plattenmeßgerät tragen, um den Strahlenwert zu ermitteln. Meine Großeltern betreiben Agrarwirtschaft, und sollen gezwungen worden sein, alle radioaktiv belasteten Ernten zu entsorgen und die kontaminierte Erde zu ersetzen.

Obwohl mein Leben dadurch beschränkter abgelaufen ist als früher, fühle ich mich nicht unglücklich. Ich habe glücklicherweise weder wichtige Menschen noch wichtige Dinge verloren.

Nach dem Erdbeben sind 8 Jahre vergangen, und der Wiederaufbau ist sehr fortgeschritten. Es gibt trotzdem noch viele Evakuierte, die noch nicht nach Hause bzw. in die Heimat zurückkehren können. Jeder hat dafür eigene Gründe. Manche können wegen des hohen Strahlenwertes, der den Grenzwert überschreitet, nicht nach Hause zurückgehen, und Manche wollen evtl. nicht nach Hause, da sie sich nicht mehr daran erinnern wollen. Aber in jedem Ort hat man seine eigenen Erinnerungen.

Egal, ob man zurückkehren will oder nicht, hatte man dort sein eigenes Leben und seinen eigenen Alltag. Wenn ich daran denke, dann ist das sehr schmerzhaft. In den Gebieten, in denen alles vom Tsunami weggespült wurde, hat man immer noch nichts. Dort sieht es immer noch so aus wie damals , als ob die Zeit nicht vorangegangen sei. Dort sieht man an jedem 11. März, dass die Menschen, die ihre Familienangehörigen verloren haben, dort Blumen niederlegen. Bei dem Erdbeben habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, was alles verloren geht. Die Häuser wurden weggespült, die Haustiere kamen ums Leben, und vielen Menschen wurde die Freiheit weggenommen.

Parallel dazu habe ich auch vieles gelernt.

In den Nachrichten habe ich viele Ausländer gesehen, die uns helfen wollen. Das ist unvergeßlich. Die Ausländer, die ich in den TV-Nachrichtensendungen gesehen habe, sind weder Hollywood-Star noch Präsident. Trotzdem sind sie nach Japan gekommen, um uns zu helfen. Ich finde es wunderbar, und das freut mich sehr. Ich will auch so ein Mensch werden.

Das war der Anlass, dass ich mich für das Ausland interessiere.

Ich habe aus meinen Erfahrungen gelernt, dass auch ich jemandem helfen kann, wenn ich den Mut habe. Ich will viel ins Ausland gehen und selbst die Welt anschauen. Mein Traumjob ist Flugbegleiterin, die viele glücklich machen kann. Ich will so werden, aus Dankbarkeit für die Menschen, die uns geholfen haben.

TOGAWA Kae

1. Ich heiße TOGAWA Kae und wohnte in der Ortschaft Namié. Ich bin Oberschülerin der 10. Klasse und 15 Jahre alt. Ich gehöre jetzt zur AG Tanz und bin jeden Tag in der AG mit den Kameradinnen und Kameraden aktiv.

2. Erinnert ihr euch noch ans Erdbeben im Nordosten Japans? Das Erdbeben ereignete sich am Freitag, den 11. März 2011.

Mein Haus bebte heftig, und wurde bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Ich konnte nicht begreifen, was ich machen soll. Am nächsten Tag wurde für die Ortschaft der Notfallalarm zur Evakuierung ausgelöst. Ich konnte auch nicht verstehen, warum ich die Stadt verlassen muss. Die Besonderheit, dass ich noch am Leben war, war mir nicht bewußt.

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Während der Evakuierung habe ich die Schwächen der Erwachsenen miterleben müssen. Wir waren zuerst in der Minami (Süd)-Grundschule in der Ortschaft Kawamata. Das war das schlimmste, was ich erleben mußte.

Wir hatten weder Wasser, Strom noch Lebensmittel. Sogar die Privatsphäre und die Möglichkeit zum Baden gab es nicht. Ich wollte so bald wie möglich den Ort verlassen. Wir waren 10 Tage in der Sporthalle. Danach sind wir zur nächsten Evakuierungseinrichtung gefahren, aber dort war es gleich schlimm. Da sehr viele Menschen in der Einrichtung wohnten, wüteten infektiöse Durchfallerkrankungen.

Fast alle Bewohner in der Sporthalle wurden infiziert, und viele haben sich um die Sporthalle herum erbrochen. Immer mehr Bewohner wurden infiziert, und wir gehörten auch dazu. Es war sehr hart für alle. Manche sind vor Stress ausgerastet. Ich erinnere mich immer noch an die Tage, an denen meine Vorstellungen immer wieder übertroffen wurden. Dort waren wir eine Woche lang und mussten für die weitere Evakuierung zur nächsten Einrichtung fahren. Das war eine vorläufige Wohneinrichtung.

Das neue Leben mit der Evakuierung hat damit begonnen. Selbstverständlich war es dort auch sehr schlimm. Im Sommer war es dort zu heiß und im Winter zu kalt. 8 Jahre sind sehr schnell vergangen, finde ich.

In der Zeit musste ich vieles einstecken. Ich musste sehr oft böse Worte hören. „Da sind die Evakuierten. Sie haben sehr viel Entschädigung erhalten. Sie bringen uns die Strahlung.“ Am schlimmsten war, dass eine beste Freundin von mir an meinem Schulschrank geschrieben hat, „Stirb“.

Danach wurde ich ins Schulleiterzimmer gerufen. Dort hat mein Lehrer mir gesagt, „Die Tat der Schulkameradin gegen mich hat keine Bedeutung. Sie hat sich auch bereits bei dir

entschuldigt.“ Das war überhaupt nicht wahr. Was meinte der Lehrer damit? Ich konnte ihn gar nicht verstehen.

Während in Kawamata manche gesagt haben, „geht raus! Oder bringt nicht die Strahlung“, gab es auch manche, die gesagt haben, „Lebt wohl“, oder die für uns Reiskugeln besorgt haben. Jetzt habe ich wunderbare Freundinnen und Freunde und wunderbare Lehrerinnen und Lehrer. Nur wer das Erdbeben miterlebt hat, der weiss von den Folgen. Man kann manchmal nur mit Worten nicht alles übermitteln, aber ich versuche, vielen die Erfahrungen mit dem Erdbeben zu übermitteln, um in Zukunft passende Maßnahmen zu ergreifen. Die einzig richtige Antwort gibt es nicht, aber ich will über meine Erlebnisse als ein Beispiel berichten.

3. Stellt euch vor, wie es sich 8 Jahre nach dem Erdbeben in der Präfektur Fukushima verändert hat. Ich glaube nicht an irgendeine erfreuliche Veränderung. Ich fahre ab und zu in die Heimat Namié, aber ich habe dabei überhaupt nicht gesehen, dass es dort auf einem guten Weg ist. Tatsächlich ist der Schutt nicht mehr zu sehen, aber in den Umgebungen um die einst lebendigen Einkaufspassage und die Schulen war es ganz still. Vor dem Erdbeben waren ca. 21.000 Einwohner dort, aber bis jetzt sind nur ca. 1.000 Menschen zurückgekehrt. In den Gebieten, in denen alles vom Tsunami weggespült wurde, sieht man nur Baustellen und großgewachsenes Kraut. Es wird noch diskutiert, ob man die alte Stadt wiederaufbauen oder die Stadt neu aufbauen soll. Ich bin für den Wiederaufbau. Dafür will ich auch aktiv sein.

4. Ich will in Zukunft Englischlehrerin werden. Ich mag Englisch und will Menschen in aller Welt auf Englisch über die Präfektur Fukushima und das Erdbeben berichten. Aber mit meiner jetzigen Englischfähigkeit kann ich das noch nicht. Ich soll meine Englischfähigkeit noch verbessern. Während des zweiwöchentlichen Deutschlandaufenthaltes will ich auch lernen, wie ich meine eigenen Meinungen übermitteln und meine englische Aussprache verbessern kann. Ich hoffe, dass ich dadurch einen Schritt weiter meinem beruflichen Traum als Englischlehrerin näher kommen kann.

TODA Miyu

Ich bin Toda Miyu und 16-jährige Oberschülerin. Ich gehöre zur AG Bergsteigen und bin dort stellvertretende Gruppenleiterin. Das Erdbeben kam, als ich 9 Jahre alt war. Damals wohnte ich in der Stadt Kitakata, die sich nordwestlich in der Präfektur Fukushima befindet, und erlebte dort das Erdbeben.

Als das Erdbeben ausbrach, war ich mit meinem Vater und jüngeren Bruder zu Hause. Mit dem Beben haben auch die Teller im Geschirrschrank begonnen, sehr laut zu wackeln. Ich erinnere mich noch daran, dass ich und mein Bruder uns aus Furcht unter einen Tisch versteckt haben. Eine Weile danach ist meine Mutter zurückgekommen, was uns sehr beruhigt hat. Mein Vater ist Angestellter bei einem Elektrizitätsversorgungsunternehmen und bekam bald einen Anruf, mit dem er angewiesen wurde, sofort zum AKW zu fahren. Dabei hat meine Mutter versucht, ihn zu überreden, zu Hause zu bleiben, aber vergeblich. Er hat gesagt, dass er der Anweisung folgen muss, da er angestellt ist.

An dem Abend waren wir zu Dritt ohne Vater zu Hause und sind nach den Nachrichtensendungen im Fernsehen ins Bett gegangen. Ich war sehr unruhig und konnte nicht gut schlafen.

Am nächsten Tag haben wir erfahren, dass es dort im AKW eine Explosion gab, was uns sehr beunruhigt hat. Wir waren nicht sicher, ob unser Vater wohl nach Haus zurückkommen kann. Für uns war es unvorstellbar, dass eine Explosion in dem AKW ausgebrochen war, in dem unser Vater noch tätig ist.

Danach konnten wir eine Woche lang mit unserem Vater gar keinen Kontakt mehr aufnehmen und mussten unsichere Tage verbringen.

In unseren Wohngebieten konnte ich nach der Explosion wegen der erhöhten Strahlung nicht mehr viel im Freien spielen, und die Sportunterrichte, die ich sehr mag, wurden reduziert, und das Sportfest, das normalerweise den ganzen Tag dauert, hat nur am Vormittag stattgefunden. Das hat mich traurig gemacht.

Außerdem konnten die Ernten aus Fukushima aus Angst vor der radioaktiven Belastung nicht mehr gegessen werden. Ich habe mal eine TV-Sondersendung über die Gefahr mit dem Schilddrüsenkrebs angeschaut und hatte danach Sorge um die Gesundheit meines Vaters, der immer noch im Unfall-AKW arbeitet.

8 Jahre sind danach vergangen. Es ist jetzt wesentlich weniger verstrahlt, und man kann ohne Angst vor der Strahlung im Freien spielen und fast alle Ernten essen. Insbesondere freut mich sehr, dass ich wieder die Ernten aus Fukushima essen kann. Mein Vater ist gut zurückgekommen und ist immer noch sehr gesund. Das freut mich auch sehr.

Als mein Vater aus dem Unfall-AKW zurückkam, hat meine Mutter ihm gesagt, dass sie an den Tod des Vaters gedacht hatte.

Aus meinen bisherigen Erfahrungen bin ich erneut sehr davon überzeugt, dass die Kraftwerke sehr nah bei unserem Leben sind und die Kernenergie eine unmessbar enorme Kraft hat. Kernkraftwerke können sehr viel Strom erzeugen, aber sehr große Havarien verursachen wie diesmal durch die Explosionen nach dem Erdbeben.

Ich hoffe deshalb, dass sich nicht nur in der Präfektur Fukushima, sondern auch in ganz Japan die erneuerbaren Energien verbreiten.

Mein Traum ist, Krankenschwester zu werden, um vielen Mensch zu helfen. Das Erdbeben im Nordosten Japans hat sehr viele Verletzte und Erkrankte verursacht, und man weiss nicht, wann so etwas wieder passiert. Ich will Krankenschwester werden, die bei Unfällen immer sofort und überall bereit ist, vielen Menschen zu helfen.

MATSUMOTO Ayu

Ich bin MATSUMOTO Ayu. Ich bin Schülerin der 10. Klasse an der Oberschule der Frauenuniversität Koriyama und 16 Jahre alt.

Ich mag Volleyball spielen und Filme anschauen. Besonders mag ich „High School Musical“. Das ist ein TV-Film aus Hollywood. Ich singe immer gerne die Lieder des Musicals, und am meisten gefällt mir das Lied „Start of Something New“.

Am 11. März 2011, 14 Uhr 46 kam das Erdbeben im Nordosten Japans. Ich war damals 7 Jahre alt. Ich hoffe, dass ein Unglück in gleichem Maße nie wieder passiert. Das war schrecklich.

Zuerst dachte ich an ein normales Erdbeben und bin davon ausgegangen, dass es bald aufhört. Aber das Erdbeben war sehr stark, und alles bebte lange. So etwas habe ich noch nie erlebt. Alle Familienangehörigen von mir sind in Panik geraten, und meine Mutter hat mir zugerufen, „bring das zum Fernseher und dem Geschirrschrank. Und schalte die Gasheizung aus und lösch die Gasflamme.“ Ich erinnere mich noch an das starke Beben, Schreien der Familienangehörigen und Erdbebenalarm. Ich habe mich unter dem Tisch versteckt und konnte nur für das Aufhören des Bebens beten.

Meine Mutter und Brüder haben den Geschirrschrank und den Kühlschrank festgehalten, damit sie nicht umfallen können. Was wäre dann mit meiner Mutter und den Brüdern passiert, falls der Geschirrschrank und Kühlschrank umgefallen wären? Davor hatte ich dabei viel Angst. Ich fragte mich, warum das Erdbeben nicht sofort aufgehört hat.

„Hört auf zu beben, hört auf zu beben! Bitte!“ Ich habe wiederholt gebetet. Ich fand es sehr lang und hatte Angst davor, dass wieder so ein großes Erdbeben ausbricht. Ich habe im Fernseher gesehen, dass es einen großen Erdrutsch gab und die Städte an der Küste von der hohen Tsunami-Welle zerstört wurden. Alle Bilder waren für mich unvorstellbar, und alles hat mich schockiert. Zum Glück wurde in der Stadt, in der ich wohne, nicht viel durch den Tsunami und Erdrutsche zerstört, aber das Erdbeben im Nordosten Japans hat unseren Alltag auf einmal zerstört.

Als ich draußen erfahren habe, dass die Nachbarn und die Freunde von uns nicht verletzt sind, habe ich mich beruhigt. Aber ich wurde traurig, als ich gehört habe, dass nach dem Erdbeben die Betroffenen und die Verletzten immer mehr zunehmen.

Am 12. März gab es ferner eine Explosion im AKW, und es wurde auch darüber berichtet, dass viel Radioaktivität freigesetzt wurde. Da ich noch klein war, wußte ich nicht, wie ernsthaft die Lage ist.

2 Jahre später habe ich mich mit einem Mädchen befreundet, das aus der Ortschaft Tomioka evakuiert war. Die Stadt, in der sie wohnte, wurde von der Nuklearkatastrophe stark betroffen, und sie musste gleich danach aus Tomioka evakuieren. Ich war schockiert, als ich das erfahren habe.

Als ich Schülerin der 5. Klasse war, habe ich erst in der Schule das Ausmaß der Katastrophe kennengelernt. Wir haben die Bilder gesehen, die zeigen, dass die Städte durch das Erdbeben und den Tsunami völlig zerstört wurden. Als eine Schulfreundin von mir die Bilder gesehen hat, hat sie sofort geheult und ist plötzlich aus dem Klassenzimmer rausgegangen.

Wir waren traurig, da uns klar geworden ist, dass wir noch lange unter den Folgen des Erdbebens und des Tsunamis leiden werden. Trotz der schwierigen Umstände habe ich jetzt viele wunderbare Freundinnen. Eine von ihnen hat mich durch ihr Lächeln immer glücklich gemacht, und sie ist jetzt eine beste Freundin von mir.

Ich kann nie vergessen, was am 11. März 2011 passiert ist. Wenn ein Erdbeben ausbricht, habe ich immer Angst, ob sich das selbe Erdbeben wiederholt. Lebensmittel aus Fukushima können jetzt sicher gegessen werden, und die Ortsschaften befinden sich nach und nach im Wiederaufbau. Aber Fukushima kann nicht mehr das alte Fukushima werden.

Ich will Hebamme werden. Ich verehre Hebammen, weil sie nicht nur seelisch, sondern auch auf verschiedenen Ebenen Mütter unterstützen. Ich will auch so Müttern und Kindern helfen. Um den Traum zu erfüllen, möchte ich jeden Tag mein Bestes tun.

Ich bin schüchtern, und Reden vor Publikum ist meine Schwäche. Ich will deshalb mit dem Projekt von Earth Walkers positiver werden. Ich wünsche, dass so eine tragische Katastrophe nie wieder in der Präfektur Fukushima passiert.

Ich hoffe, dass ich hier in Deutschland wunderschöne Erfahrungen machen sowie mich entwickeln und verbessern kann.

YOSHIDA Ryoma

Ich bin YOSHIDA Ryoma und wohne in der Stadt Koriyama. In der Oberschule gehöre ich zu den AG Biologie und Unterhaltungsmusik. In der AG Biologie forschen wir, um in der Natur den Hefepilz zu entdecken, der für das Brauen von japanischem Reiswein eingesetzt werden kann. In der AG Unterhaltungsmusik spiele ich elektrische Gitarre. Ich mag auch sehr gerne Fußballspiele anschauen.

Ich bin 15 Jahre alt und habe mich aus meinen eigenen Erfahrungen heraus entschlossen, was ich beruflich machen möchte. Ich will Strahlentechniker werden und damit die Präfektur Fukushima unterstützen.

Versteht ihr, warum ich es so entschieden habe?

Zuerst erzähle ich die Erfahrungen nach dem Erdbeben. Ich war 7 Jahre alt, als das Erdbeben ausbrach. Ich und mein Vater waren mit dem Auto unterwegs zu meinen Großeltern. Plötzlich fing unser Auto an zu rütteln, immer heftiger. Mein Sicherheitsgurt wurde verriegelt. Vom Autofenster konnte ich sehen, wie tanzend die Gebäude wackelten. Während des Bebens habe ich an den Tod gedacht. Mein Gefühl stammte nicht von dem Schreck, sondern war instinktiv. Als wir das Haus der Großeltern erreicht haben, haben wir gesehen, dass in einem Nachbarhaus das 1.Obergeschoß eingestürzt ist und bei fast allen Nachbarhäusern das Dach abgerissen wurde.

Als wir nach Hause zurückkamen, war das Wasser abgesperrt. Im Fernseher konnte man sehen, wie der Tsunami kam. Im Fernsehen musste man sehen, dass die Häuser und die Autos durch das braune Wasser weggespült wurden. Alles konnte ich nicht glauben und habe gedacht, ich sehe jetzt einen Spielfilm.

Am nächsten Tag sind wir zum Park gegangen und haben dort Wasser und Lebensmittel bekommen können. Dann kam der Unfall im AKW Fukushima-Daiichi. In einem Reaktor brach eine Explosion aus. Radioaktive Stoffe wurden dann weit freigesetzt. Damals hatten nur wenige die Kenntnisse über Nuklide, und wir konnten nicht begreifen, was dann passiert ist.

In zwei weiteren Reaktoren gab es ferner noch Explosionen. Wir haben uns für die Sicherheit entschieden und sind zu einem unserer Verwandten in der Präfektur Nagano evakuiert, die von der Präfektur Fukushima ca. 300 km entfernt ist.

Meine Schule hat den Schulbeginn verschoben, und unsere Evakuierung dauerte ca. einen Monat.

Die verwandte Familie, bei der wir waren, war für uns sehr nett, aber ich wollte so bald wie möglich nach Hause zurück.

Als die Schule wieder begonnen hat, sind wir nach Fukushima zurückgefahren. Mein Leben wurde damit langweilig, und es war auch im Inneren sehr heiß. Ich musste immer Mundmasken tragen. Ich war damals noch klein, und durfte nicht im Freien spielen. In der Schule durfte man die Fenster nicht öffnen. Im Klassenzimmer war nur ein Ventilator, mit dessen Hilfe wir Schülerinnen und Schüler die Hitze im Sommer ertragen mussten. Uns wurde in der Schule ein Schachtel Mundmasken ausgegeben, die wir immer tragen mussten.

Die Rufschädigung für die Präfektur Fukushima hat mich auch traurig gemacht. Die Autos mit dem Kennzeichen der Präfektur Fukushima sollen unangenehm behandelt worden sein. Ich dachte, dass alle „FUKUSHIMA“ hassen. Als ich bei einer Reise gefragt wurde, woher ich komme, dann musste ich vermeiden zu sagen, dass ich aus Fukushima komme. Obwohl die Radioaktivität nicht ansteckt, werden wir oft von den Menschen, diskriminiert, die davon nichts wissen. Ich war sehr ärgerlich.

Währenddessen haben wir auch sehr viele Unterstützungen aus verschiedenen Ländern. Im Unfall-AKW waren die Fachingenieure aus Frankreich, und uns wurden verschiedene Artikel und ermutigende Briefe geschickt. Dank der Unterstützungen können wir jetzt ein glückliches Leben verbringen. Ich habe in den Ferien an einigen Kur- und Erholungsprogrammen teilgenommen, um mich von der Strahlung zu befreien. Ich war dafür in Okinawa, Nagasaki und Nagano. Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, konnte ich dank der Menschen, die „FUKUSHIMA“ unterstützt haben, so etwas unternehmen.

Ich will jetzt von der derzeitigen Lage in der Präfektur Fukushima erzählen.

Die Rufschädigung gegen FUKUSHIMA verringert sich in Japan. Nach meiner Meinung sind die Lebensmittel aus Fukushima sicherer als aus anderen Regionen, da die in Fukushima geernteten Lebensmittel vor dem Verkauf auf Radioaktivität geprüft werden. Aber ich kann jetzt noch nicht genau sagen, wie die derzeitige Lage in Fukushima ist, da es dort immer noch unterschiedlich verstrahlt ist und das Ausmaß der Katastrophe sehr unterschiedlich ist. Dazu hat jeder auch seine eigene Meinung.

Das ist eine sehr empfindliche Frage, und ich vermeide deshalb, darüber zu sprechen. Bei den Freunden von mir ist es genauso.

Auch gegen die Rufschädigung im Ausland müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Wo die kontaminierten Erden noch gelagert werden sollen, muss geklärt werden. Die Einwohner, die in der Nähe des Unfall-AKW wohnten, können noch nicht nach Hause zurückkehren.

Erinnert ihr euch noch daran, was ich am Anfang gesagt habe. Ich habe gesagt, dass ich Strahlentechniker werden will. Ich will zum Schluß den Grund erklären.

Wir haben viele Strahlenfolgen, da wir die Strahlung falsch benutzt haben. Ich finde die Strahlung selbst nicht schlecht. Die Menschen waren zu eigensinnig. Wenn wir die Strahlung vernünftig einsetzen, dann können wir das Leben von jemandem retten. Ich hasse die Strahlung nicht, sondern will mit Hilfe der Strahlung viele von ihren Erkrankungen heilen. Deshalb will ich Strahlentechniker werden.

Ich will unbedingt meinen Traum erfüllen.

FUKUSHIMA