Vorwort

Tagebuch eines japanischen Journalisten von fukumoto masao

Ich war im Herbst 2011 und 2015 sowie im Juni 2017 in der Präfektur Fukushima. Dort habe ich mich mit Freunden und Bekannten getroffen, um mich danach zu erkundigen, wie es ihnen geht, und wie es dort aussieht.

Ich bin in Deutschland seit langem mit dem Thema Kernenergie beschäftigt und war auch in vielen Atomanlagen in Europa. In Japan habe ich schon vor der Nuklearkatastrophe mehrmals für den Atomausstieg Vorträge gehalten. Ich habe deshalb einigermaßen Fachkenntnisse über den Strahlenschutz und Probleme der Stromerzeugung durch die Kernenergie.

Wenn ich beobachte, was nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Japan passiert ist und noch passiert, bin ich immer noch oft hilflos und sprachlos. Für mich ist auch nicht einfach zu begreifen, wie ich als japanischer Journalist, der im Ausland lebt, mit den Betroffenen vor Ort umgehen soll. Ich bin für sie ein Fremder, obwohl ich japanisch aussehe.

Wie ich den Betroffenen, die vor mir sitzen oder stehen, ansprechen oder sie fragen soll, und wie ich auf sie reagieren soll, ist für mich immer noch ein Lernprozess. Am besten sollte ich nur zuhören.

Es ist besorgniserregend, dass viele in Japan wenig daran interessiert sind, was dort in Fukushima noch passiert und wie es noch weitergeht, und dass sich viele von den Betroffenen verhalten, als ob alles schon vorbei wäre.

Vorläufig gelagerte schwarze Säcke mit kontaminierter Bodenerde und Schutt, fotografiert im September 2015 in der Nähe des Unfall-AKW

Aber die Auswirkungen der Nuklearkatastrophe bleiben noch längerfristig. Das darf man nicht vergessen.

Auch in Deutschland scheint mir, dass man jetzt für FUKUSHIMA nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in den Medien weniger Interesse hat. Deutschland hat sich bereits für den Atomausstieg entschieden, was sich jetzt nur noch schwer umkehren lässt Aber damit ist nicht alles vorbei. In Deutschland sind mehr Reaktoren in Betrieb als in Japan. Die Reaktoren müssen noch stillgelegt und rückgebaut werden. Dadurch entstehen viele radioaktive Abfälle. Die Probleme mit dem Atommüll sind noch zu lösen. Der Standort für die Endlagerung, die eine Millionen Jahre dauern soll, soll noch ausgewählt werden. Trotz Atomausstiegs hat man noch immense Probleme.

Angesichts dieser Tatsache muss es noch jemanden geben, der sich noch längerfristig mit dem Thema Kernenergie und FUKUSHIMA beschäftigt. Als in Deutschland arbeitender japanischer Journalist, führe ich mich deshalb noch dazu verpflichtet, weiter über FUKUSHIMA zu berichten. Ich will noch weiter nicht nur hier in Deutschland, sondern auch vor Ort in Fukushima recherchieren.

Aus diesem Hintergrund veröffentlichte ich bisher in Reihen im Strahlentelex in Form eines Reise-Tagebuches, alles, was ich in der Präfektur Fukushima miterlebt habe. Bedauerlicherweise wurde das Strahlentelex 32 Jahre nach dem ersten Erscheinen Ende 2018 eingestellt. Es fehlen aber noch die Texte über meine anfänglichen Erfahrungen im Jahr 2011 und weitere Erlebnisse mit den Betroffenen aus Fukushima, die nach der Katastrophe in Deutschland waren.

Für diese Erlebnisse möchte ich noch weitere Texte verfassen und hier mit den schon veröffentlichten Texten als ein Tagebuch zusammensetzten. Mit diesen Ergänzungen will ich damit das erste Kapitel meiner Reise nach Fukushima zuerst mal beenden und hoffentlich ein neues Kapitel mit FUKUSHIMA eröffnen.

Tagebuch